Eine Stellungnahme zu Zahnbehandlungen ohne Anästhesie bei Hunden und Katzen

21. November 2013
DGT

Erkrankungen im Maulbereich (inklusive Zahn- und Parodontalerkrankungen) gehören zu den häufigsten und wichtigsten Gesundheitsproblemen bei Haustieren. Eine effektive Behandlung ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Eine professionelle Zahnuntersuchung und Zahnreinigung (Zahnstein- und Zahnplaqueentfernung sowie nachfolgendes Polieren) sind essentieller Bestandteil der Behandlung.

Die Parodontaltasche (Sulcus gingivalis) ist der wichtigste Bereich für die Untersuchung und muss gründlich gereinigt werden. Dies ist der Bereich unterhalb des Zahnfleischrandes, welcher die Zähne umschliesst. Das empfindliche paradontale Gewebe, welches die Zähne mit dem Kiefer verbindet, kann leicht verletzt werden. Dies kann zu Schmerzen und sogar Zahnverlust führen. Für die Zahnstein- und Zahnplaqueentfernung benötigt man scharfe Handinstrumente und/oder einen Ultraschallscaler, welcher mit einem Wasserstrahl gekühlt wird. Kleine, unkontrollierte Bewegungen des Kopfes während der Behandlung können das paradontale Gewebe leicht verletzen. Die Reinigung unterhalb des Zahnfleischrandes ist immer unangenehm. Beim Menschen ist die Zahnstein- und Zahnplaqueentfernung ohne Anästhesie infolge der gewollten Zusammenarbeit möglich. Haustiere, welche nicht anästhesiert sind, werden sich bei der Behandlung kaum ruhig verhalten.

Einfaches Entfernen des sichtbaren Zahnsteins oberhalb des Zahnfleischrandes ist weder effektiv noch zweckdienlich in der Bekämpfung von Zahnerkrankungen. Es ist eine kosmetische Behandlung, welche die Zähne besser aussehen lässt. Ausserdem vermittelt sie den Besitzern ein falsches Vertrauen und eine falsche Sicherheit, welche einen Schaden verursachen kann, indem eine effektive Behandlung durch einen Tierarzt verzögert wird.

Viele Maulhöhlenerkrankungen können nur mittels einer kompletten Untersuchung in Allgemeinanästhesie diagnostiziert werden. Gewisse Teile der Maulhöhle können ohne Anästhesie gar nicht untersucht werden. Einige Frühformen von Maulhöhlentumoren sind nur beim ruhig gestellten Tier erkennbar. Eine verzögerte Diagnostik kann dazu führen, dass die Erkrankung schwieriger oder gar nicht therapierbar wird. Viele Maulhöhlenerkrankungen können nur mittels Röntgenuntersuchungen diagnostiziert werden. Auch dies ist nur unter Allgemeinanästhesie möglich.

Ein modernes Anästhesieverfahren mit angemessener Überwachung führt zu einem sehr kleinen Restrisiko. Generell überwiegen die Vorteile einer effektiven Zahn- und Parodontalbehandlung das Risiko einer Anästhesie bei weitem. Die Intubation schützt den Patienten vor der Inhalation von Zahn- und Zahnsteinpartikeln sowie dem bakterienreichen Aerosol, welches durch die Zahnbehandlung entsteht.

Zusammenfassung:

Zahnbehandlungen ohne Anästhesie…

… erlauben keine vollständige Untersuchung der Maulhöhle und lebenswichtige Diagnosen können verpasst oder zu spät erkannt werden
… erlauben keine vollständige und effektive Reinigung der wichtigsten subgingivalen Bereiche
… können Schäden am Zahn anhaftenden Gewebe verursachen
… können dem Tier Beschwerden, Schmerzen und/oder Stress bescheren
… mögen oft eine effektive, saubere Maulhöhlenpflege verzögern
… könnten fälschlicherweise als echte Behandlungen verstanden werden, bis die Besitzer auf die inadäquate und potenziell gefährlichen Prozeduren aufmerksam gemacht werden

Diese Stellungnahme wurde mit der Zustimmung folgender Gesellschaften herausgegeben:

SSVD (Swiss Society of Veterinary Dentistry)
EVDC (European Veterinary Dental College)
EVDS (European Veterinary Dental Society)
BVDA (British Veterinary Dental Association)
FECAVA – Federation of European Companion Animal Veterinary Associations