Die professionelle Zahnreinigung (PZR) bei Hund und Katze

1. Mai 2014
DGT

(von TFA Nicole Josten-Ladewig)

In der modernen Tiermedizin nimmt die professionelle Zahnreinigung einen immer höheren Stellenwert ein. Besonders bei Hund und Katze, die im engsten Familienkreis mit dem Menschen leben, wird mehr auf die Zahnhygiene Wert gelegt. Schon im Welpenalter wird mit dem Zähneputzen angefangen, um frühzeitig parodontalen Erkrankungen vorzubeugen. Leider klappt das Putzen häufig nur bei größeren Hunderassen, da dort das Handling einfacher ist. Nur neigen gerade die kleinen Hunderassen, z.B. Dackel und Chihuahua, zu starken Zahnproblemen. Bereits in jungen Jahren führt die brachyzephale Kopfform, kurzgezüchtete Schnauze wie z.B. beim Mops, zu Zahnfehlstellungen (persistierende Zähne und Kulissengebiss). Dadurch kann die hundeeigene Zahnreinigung, die besonders bei viel Bewegung angeregt wird (ständiges Reiben der Zunge an den Zähnen, besonders beim Hecheln), nicht mehr optimal durchgeführt werden.

Hier ist nun nach der richtigen Beratung zur Prophylaxe und evtl. Behandlung des Tieres in der Tierarztpraxis gefragt. Besonders die/der tiermedizinische Fachangestellte kann hier praktische Tipps im Gespräch mit dem Tierbesitzer geben. Weisen Sie immer auf den Zeitfaktor hin, der für eine optimale Zahnpflege von Nöten ist. Wenn wenig Zeit vorhanden ist oder es problematisch ist an das Maul des Tieres zu gelangen, sollte auf ein Futtermittel/Kauknochen, speziell zur Zahnpflege, zurück gegriffen werden. Dafür eignen sich besonders die Kroketten von der Firma Hill`s (t/d) oder Royal Canin (Dental). Aber auch Kauprodukte (z.B. Denta Stix) von Pedigree oder Büffelhautknochen verhindern das Ansetzten von Plaque am Zahnschmelz. Zahnpflegeprodukte, wie z.B. HexoCare mit Chlorhexidin und Tris-EDTA welches antibakteriell wirkt, können unterstützend angewendet werden. Allerdings ist die beste Methode immer noch das Zähneputzen. Dafür sollte eine veterinärmedizinische Zahnbürste (Doppelkopf, Fingerzahnbürste o.ä.) in der richtigen Größe angeboten werden. Das Highlight fast jeden Hundes ist die leckere Zahnpasta, die es in verschiedenen Geschmackssorten (z.B. Hühnchen) gibt. Wenn das Tier langsam an diese Prozedur gewöhnt ist, wäre das tägliche Zähneputzen optimal. All diese Maßnahmen wirken aber nur, wenn die Zähne vorher bereits sauber sind bzw. vor kurzem gereinigt worden sind. Wenn Zahnstein vorhanden ist, wird dieser nicht durch Zähneputzen oder Futtermittel verschwinden. Beraten Sie dahingehend, dass der Besitzer erkennt, wie wichtig die Zahnhygiene ist um auch Folgeerkrankungen ausschließen zu können.

Bei einer diagnostizierten Zahnerkrankung, dazu gehört auch ggd. bis hgd. Zahnsteinbefall, sollte eine schnellstmögliche Behandlung durchgeführt werden. Dabei muss das Tier in Narkose versetzt werden, da die Behandlung unangenehm ist und das Tier sehr ruhig gelagert sein sollte.

Um eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu können, muss die Praxis mindestens über ein handelsübliches Ultraschallgerät, verschiedene Scaler/Küretten und einem Polierset verfügen. Allerdings steht der Schutz des Tieres und der behandelnden Person während der Zahnbehandlung an oberster Stelle. Gerade bei Tieren mit hgd. Zahnsteinbefall und Parodontose ist die Keimbelastung in der Maulhöhle besonders hoch. Das Tier, egal ob Hund oder Katze, sollte intubiert werden, um das direkte Einfließen von Spritzwasser in die Luftröhre und dann in die Lunge (Aspiration) zu verhindern. Zusätzlich sollte der Körper des Tieres etwas höher gelagert werden als den Kopf (z.B. mit mehreren Handtüchern). Durch die Schwerkraft wird das Abschlucken bzw. Einatmen von Wasser erschwert.

Diejenige Person, egal ob TA oder TFA, sollte immer einen Mundschutz oder Schutzbrille, Handschuh und eine Kopfbedeckung tragen. Das Kühlwasser, welches zur Kühlung der Spitze des Ultraschallgerätes dient, sprüht in kleinen Tröpfchen um die Maulhöhle. Dadurch werden pathogene Keime mit den Tropfen aufgewirbelt und evtl. eingeatmet. Dies sollte immer unterbunden werden.

Wenn das Tier dann ruhig liegt und die Maulhöhle optimal mit einem Maulkeil geöffnet ist, wird der Zahnstatus aufgenommen. Die Fa. Cp-pharma stellt hierfür Vorlagen/Zahnpass zur Verfügung. Jeder Zahn wird angeschaut und mit einer Sonde untersucht. Häufig sehen die Zähne auf den ersten Blick sehr gut aus. Bei genauerem Hinsehen, ändert sich dieses allerdings schnell. Mit einer Parodontalsonde mit Skala können parodontale Taschen ausgemessen werden. Auch gelockerte Zähne werden in die Kartei aufgenommen.

Wenn alles schriftlich festgehalten wurde kann mit dem Zahnsteinentfernen begonnen werden. Das spitze Ende der Ultraschallsonde sollte nie direkt den Zahnschmelz berühren, da es schnell zu mikroskopisch kleinen Fissuren des Schmelzes kommen kann. Diese bieten dann wieder Anhaftungsmöglichkeiten für Plaque und später für Zahnstein. Sicherer ist immer die lange Seite der Sonde zum Entfernen des Zahnsteins zu benutzen. Bei hgd. Zahnsteinbefall sollte vorher mit einer Zahnsteinzange die dicken Auflagerungen entfernt werden. Dadurch wird Zeit gespart und der Zahn geschont. Wichtig ist, dass Sie mit der Sonde bis unter das Zahnfleisch gehen, damit auch dort alle Belege entfernt werden. Falls bereits parodontale Taschen vorhanden sein sollten, müssen alle Konkremente mit dem Scaler und der Kürette entfernt werden. Gerade die Parodontitis ist die häufigste Erkrankung des Hundes, die auch schon junge Tiere befallen kann. In der Regel bekommen diese Tiere, wenn die Parodontitis nicht rechtzeitig behandelt wurde, als Folgeerkrankung Herz- und Lungenprobleme oder auch Leber – und Nierenschäden.

Trotz größter Vorsicht kann eine Schädigung des Zahnschmelzes nicht verhindert werden. Daher ist es sehr wichtig den Schmelz nach der Ultraschallbehandlung zu glätten. Dazu kann handelsübliche Polierpaste (WDT, Henry Schein) verwendet werden. Bitte Achten Sie darauf, dass die Paste gleichmäßig mit dem Polierkegel auf dem ganzen Zahnschmelz verteilt wird. Wenn kein Mikromotor mit Poliereinheit vorhanden sein sollte, kann auch mit einem Baumwolltuch oder einer Zahnbürste aus der Veterinärmedizin verwendet werden.

Abschließend können die Zähne mit einem Zahnwachs oder Gel kurzfristig „versiegelt“ werden. Dies hat allerdings nur Vorteile für die Zahngesundheit, wenn die Patientenbesitzer auch zukünftig zu Hause mit der Zahnhygiene weitermachen.

Fazit: Um die Zähne beim Hund lange Gesund zu halten muss der Tierbesitzer frühzeitig aufgeklärt werden. Bei der Katze ist es leider häufig anders, da dort oftmals unvorhersehbare Zahnerkrankungen, z.B. FORL, vorkommen. Dies sind Problematiken, die individuell vom Tierarzt/Tierärztin behandelt werden müssen. Allerdings sollte auch hierüber der Tierbesitzer aufgeklärt werden.

  • Persistierende Zähne: nichtausfallende Milchzähne
  • Kulissengebiss: in ihrer Achse um 180° gedrehte Zähne, häufig sind die Prämolaren betroffen
  • Konkremente: harte, mineralisierte Auflagerungen an der Zahnwurzel
  • FORL( Feline odontoklastische resorptive Läsionen): Auflösung der Zahnsubstanz bei Katzen